Lea Awai

Autorin

Lea Awai kam nach dem Studium in Bewegungswissenschaften und Sport an der ETH Zürich und einem Forschungs- und Sprachaufenthalt am Tokyo Institute of Technology an die Universitätsklinik Balgrist, wo die PhD-Studentin zurzeit ihre Doktorarbeit im Bereich Neurowissenschaften schreibt. Im Anschluss möchte sie sich im Ausland als Forscherin weiterbilden, wobei sie ihren Horizont auf weitere neurologische Erkrankungen ausweiten möchte. In ihrer Freizeit bewegt sie sich gerne in der Natur beim Wandern, Joggen oder Radfahren.

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Im ersten Moment mag es merkwürdig erscheinen, dass unser Forschungsteam mit querschnittgelähmten Patienten Ganganalysen durchführt. Querschnittslähmung bedeutet jedoch nicht immer ein vollständiger Verlust der Motorik in den Körperteilen unterhalb der Verletzung.

Häufig sind die Nervenbahnen im Rückenmark nur teilweise verletzt und somit bleibt eine partielle Verbindung zwischen dem Gehirn und den Zielorganen erhalten. Aber wozu dient eine Ganganalyse bei rückenmarksverletzten Patienten überhaupt? Der folgende Blogbeitrag gibt Aufschluss.

ganganalysen

Zehn Infrarotkameras zeigen kleinste Bewegungen auf

Derzeit sind am Zentrum für Paraplegie Balgrist unterschiedliche klinische Studien im Gange oder in Planung, die eine Funktionsverbesserung und regenerative Prozesse des Rückenmarks fördern sollen und sich somit auf das Gehen auswirken. Damit uns selbst kleinste Gang-Veränderungen nicht entgehen, brauchen wir sensitive Instrumente und Messgrössen, die sich dem blossen Auge entziehen und mit denen wir genaue Analysen vollziehen können. Mit zehn Infrarotkameras zeichnen wir die Bewegungen von reflektierenden Markern, die wir auf ganz bestimmte Körperstellen kleben, während des Gehens auf.

Therapiemassnahmen profitieren von präziser Ganganalyse

Jegliche Bewegungen werden aufgezeichnet, um anschliessend unzählige Messgrössen berechnen zu können. Diese verschiedensten Winkel und Kurven zeigen beispielsweise auf, wie rund ein Gang ist und wie er sich im Vergleich zur letzten Messung verändert hat. Nicht zuletzt demonstrieren uns diese Analysen, was möglicherweise im Körperinneren stattfindet.

Die Messungen werden in regelmässigen Abständen durchgeführt. Sie geben Aufschluss über den Rehabilitationsverlauf und erlauben Empfehlungen zur defizitorientierten Therapie. Mit den Analyseergebnissen können wir den Patienten zudem auf eindrückliche Art und Weise ihre Fortschritte aufzeigen.

Unterschiedliches Gangmuster bei Querschnittgelähmten

Bis heute ist es nicht gelungen, das Gangbild eines inkomplett querschnittgelähmten Patienten umfassend zu beschreiben. Im Gegensatz zum Gangmuster eines Parkinson-Patienten, welches relativ genau charakterisiert werden kann, ist jenes eines Querschnittgelähmten von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Je nach dem wie gross die Verletzung ist und welche Nervenbahnen genau betroffen sind, können sich die funktionellen Ausfälle sehr verschieden präsentieren. Aus diesem Grund bedeuten die Messungen der unterschiedlichen motorischen Systeme beim Para- oder Tetraplegiker eine grosse Herausforderung und bedingen höchste Präzision.

ganganalyse-balgrist

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