Rolf Bösch

Autor

Rolf Bösch ist der Sohn eines Tetraplegikers und gelernter Bauzeichner. Nach seiner Ausbildung zum Ergotherapeuten leitete er bis 1993 die Ergotherapie im ehemaligen Paraplegikerzentrum Balgrist. Danach war er 23 Jahre im Aussendienst in Luzern tätig, wo er Institutionen und Privatkunden aus allen Behinderungs- und Altersgruppen betreute und als Mitglied der Geschäftsleitung für die Filiale in Adliswil zuständig war. 2016 arbeitete Rolf Bösch als Leiter der Abteilung Reha-Technik der Balgrist Tec AG. 

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Wenn ein Patient bei der Reha-Technik zur Tür hineinrollt, erkennen wir auf den ersten Blick, welche Versorgung er benötigt – dies ist möglich dank unserer längjährigen Erfahrung in der Entwicklung von Rollstühlen.

Unser erster Gedanke dreht sich sofort um das Handicap, welches diese Person haben könnte und mit welchen (Rest-)Funktionen wir rechnen können. In einem zweiten Schritt analysieren wir, ob die Sitzposition mit den vorhandenen Fähigkeiten übereinstimmt oder definieren den Grund für die suboptimale Haltung.

 Am Rollstuhl können wir Reha-Techniker feststellen, ob eine Dimension, Ausrichtung oder Formung von Komponenten für eine unerwünschte Haltung verantwortlich ist. 

Am Rollstuhl können wir Reha-Techniker feststellen, ob eine Dimension, Ausrichtung oder Formung von Komponenten für eine unerwünschte Haltung verantwortlich ist. Dabei sind wir uns aber bewusst, dass ein mehr oder weniger ausgeprägtes Körpergefühl der Grund für die Sitzhaltung sein kann. Für eine querschnittgelähmte Person ist es durchaus möglich, aufrecht und mit viel Bewegungsfreiheit im Rollstuhl zu sitzen. Wenn sie mit einem Rundrücken durchhängen, haben sie zwar eine stabilere Sitzposition, sind aber weniger mobil.
 

Individuelle Rollstühle für jeden Patienten

Eine Rollstuhlabklärung für einen Patienten durchzuführen, bringt sehr viel Verantwortung mit sich. Denn schliesslich hat die Auswahl dieses Hilfsmittels eine immense Auswirkung auf sein Leben und wir möchten selbstverständlich eine positive Veränderung für unsere Patienten bewirken. Alle Rollstühle lassen sich individuell anpassen und danach folgt bald darauf der erste Service, die erste Reparatur oder eine weitere Justierung. Bei einer Rollstuhlversorgung handelt es sich also um eine „never ending story“.

Der spannendste Teil unserer Arbeit liegt in den vielen persönlichen Kontakten und in der Verknüpfung von Mensch und Technik.

In einem ersten Schritt legen wir fest, welche Rollstuhlart und welcher Rahmentyp geeignet sind. Weiter definieren wir die Sitzdimension, das Sitzkissen und die Sitzhöhe, die Rückenlehne, -höhe, und -neigung sowie deren Beschaffenheit. Anschliessend nehmen wir die Räder und die Bereifung, die Agilität des Rollstuhles sowie die Beinstützen und Fussauflage genau unter die Lupe. Abschliessend werden die Seitenteile und die Armlehne, die Bremsen und das weitere Zubehör zusammen mit dem Patienten ausgewählt. Dank all dieser anspruchsvollen Versorgungsschritte können wir Reha-Techniker in zahllose Sparten, wie die Anatomie, Architektur, Bewegungslehre oder das Design eintauchen.
 

Täglich neue Herausforderungen

Den grössten Anreiz bietet jeweils die Suche nach Lösungen, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Dies ist bei der Versorgung von Kindern und Erwachsenen mit langjähriger Querschnittlähmung oder mit fortgeschrittenen Erkrankungen oft der Fall. Der spannendste Teil unserer Arbeit liegt in den vielen persönlichen Kontakten. Zudem verfolgen wir stets das Ziel Mensch und Technik miteinander zu verknüpfen sowie die Zeit optimal im Griff zu haben. All dies bringt uns täglich neue, äusserst spannende Herausforderungen.

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