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Für ihre Patientinnen und Patienten hat das Zentrum für Paraplegie eine Impfaktion auf die Beine gestellt. Wir blicken zurück im Interview mit PD Dr. med. Björn Zörner, Leitender Arzt des Paraplegie-Teams.

Dr. Zörner, sind Menschen mit einer Rückenmarkverletzung Corona-Risikopatienten?

Dr. Zörner: Da es bei Patientinnen und Patienten mit einer Rückenmarksschädigung in vielen Fällen auch zu einer Beeinträchtigung der Atmung kommt, zum Beispiel bei Menschen mit Tetraplegie und hoher Paraplegie, haben diese Menschen sehr wahrscheinlich ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf im Falle einer Covid-19-Infektion.

Haben Sie im Rahmen der Impfaktion Nebenwirkungen der Impfung gegen Covid-19 bei Patientinnen und Patienten mit Para- oder Tetraplegie feststellen können, die nicht zu erwarten waren? 

Dr. Zörner: Nein. Wir haben im Rahmen unserer Impfaktion etwa 330 unserer Patientinnen und Patienten mit dem Impfstoff von Moderna® geimpft. Die Nebenwirkungen, die wir beobachten konnten (meist Schmerzen an der Einstichstelle am Arm, Müdigkeit über mehrere Tage, Fieber, Schüttelfrost) unterschieden sich nicht von den Nebenwirkungen, die auch bei Menschen ohne Rückenmarkschädigung beschrieben wurden bzw. möglich sind.

Sie haben im Frühling im Zentrum für Paraplegie eine grosse interne Impfaktion durchgeführt. Welche Herausforderungen gab es für Sie? 

Dr. Zörner: Ich glaube die grösste Herausforderung war die kurzfristige Organisation der Impfaktion. Da Anfang des Jahres der Impfstoff in der Schweiz noch sehr knapp war, wurde uns etwa zehn Tage vor der Lieferung durch die Gesundheitsdirektion bestätigt, dass wir erfreulicherweise den Impfstoff bekommen können, um unsere Patientinnen und Patienten zu impfen. Daraufhin haben unsere Sekretariate alle Patientinnen und Patienten, die an das Zentrum für Paraplegie, Balgrist, angebunden sind, einzeln telefonisch kontaktiert und Termine zur Impfung vereinbart. Das waren etwa 700 Patientinnen und Patienten und noch mehr Telefonate. Der grosse Team-Einsatz, um unseren Patientinnen und Patienten eine Impfung gegen Covid-19 zu ermöglichen, war aus meiner Sicht herausragend. Zudem war die Aktion sehr erfolgreich. Wenn man die Patientinnen und Patienten hinzuzählt, die bereits durch Hausärztinnen und Hausärzte oder andere Zentren geimpft wurden oder schon eine Infektion durchmachen mussten, so hat unsere Aktion dazu beigetragen, dass schon Ende April etwa 70 Prozent unserer Patientinnen und Patienten einen Schutz gegen das Virus hatten. Heute dürfte die Quote noch deutlich höher liegen.  

Haben Sie proaktiv die Impfung empfohlen und Werbung gemacht?

Dr. Zörner: Nein. Wir haben, wie gesagt, alle Patientinnen und Patienten telefonisch kontaktiert und Ihnen das Angebot zur Impfung gegen COVID-19 gemacht. Auf Wunsch konnten die Patientinnen und Patienten sich auch vor der Impfung telefonisch durch unser Ärzteteam individuell beraten las-sen, insbesondere hinsichtlich der Frage, ob eine Risikokonstellation besteht. Zudem erfolgte am Tag der Impfung eine ausführliche Beratung und Aufklärung jeder Patientin und jedes Patienten. Die Impfbereitschaft bei unseren Patientinnen und Patienten war schon im Vorfeld sehr hoch, sogar höher als in der Gesamtbevölkerung.  

Haben sich – aus Ihrer Sicht – die Menschen verändert, wenn es rund um das Thema «Covid-19-Impfung» geht?

Dr. Zörner: Ich glaube, dass die Covid-19-Pandemie uns alle ein wenig verändert hat. Wir waren alle plötzlich gezwungen, über das Risiko einer Ansteckung nachzudenken und darüber, wie wir uns und unsere Lieben schützen können. Für die meisten Menschen dürfte das in diesem Ausmass eine neue und verändernde Erfahrung gewesen sein. Die Möglichkeit einer Impfung ist aus meiner Sicht eine grosse Erleichterung im Umgang miteinander und wahrscheinlich der einzige Weg heraus aus der Pandemie.

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