Hartmut Pöhlmann

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Hartmut Pöhlmann ist Ergotherapeut und arbeitet seit 20 Jahren im Zentrum für Paraplegie der Universitätsklinik Balgrist.

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Mit dem Auto mobil sein: Das ist für mobilitätseingeschränkte Personen ein zentrales Bedürfnis und eine grosse Erleichterung im Alltag. Das Auto spielt deshalb in der Rehabilitation von querschnittsgelähmten Personen eine wichtige Rolle.

Das Autofahren als Para- oder Tetraplegiker will gelernt sein. Wie kommt man vom Rollstuhl ins Auto und wieder zurück? Wie geht das Verladen des Rollstuhls am besten? Und wie funktioniert eine «Handbedienung»? Damit Menschen mit einer Mobilitäts­einschränkung genau diese Handgriffe und Techniken üben können, verfügt die Ergotherapie über ein entsprechendes Therapieauto. Wie leicht Para- und Tetraplegiker einen Transfer mit dem Rollstuhl ins Auto machen können, hängt von der Ursache oder Beeinträchtigung ihrer Behinderung ab. Es ist beispielsweise ausschlaggebend, ob noch Funktionen in den Beinen vorhanden sind.

Wie leicht Para- und Tetraplegiker einen Transfer mit dem Rollstuhl ins Auto machen können, hängt von der Ursache oder Beeinträchtigung ihrer Behinderung ab.

Wenn nicht, kommt als gängigstes Hilfsmittel ein Rutschbrett zum Einsatz. Nach einer gewissen Zeit sind die Patienten meistens im Stande, sich selbständig und ohne Rutschbrett ins Auto zu hieven. Paraplegiker mit Beinfunktion können durchaus Gewicht auf die Beine bringen und so auch im Halbstand ins Auto steigen. Auch Patienten mit nur einem Bein oder mit einer Prothese können weiterhin Autofahren. Hier können auch die Pedale gewechselt werden, sodass Patienten Bremse und Gas beispielsweise mit dem linken Bein bedienen können.

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Training und Schulung der Angehörigen
Autofahren ist für Patientinnen und Patienten des Zentrums für Paraplegie eine wichtige Möglichkeit, mobil zu sein. Sich mit dem Rollstuhl im öffentlichen Raum fortzubewegen ist oft mühsam, aufwändig und belastet die eigenen Strukturen. Wir ermuntern unsere Patienten, es wieder mit Autofahren zu versuchen, sodass ihnen der Übergang in den Alltag vielleicht auch besser gelingt. Dies bedingt eine medizinische Abklärung des Heimatkantons), ob die Betroffenen noch fahrtauglich sind. Im Anschluss gibt es eine Funktionsprüfung im Strassenverkehrsamt. Hier wird das Reaktionsvermögen getestet und analysiert, wie gut Beine und Arme noch Kraft entwickeln können, um ein Fahrzeug zu führen. Anhand dieses Tests macht das Strassenverkehrsamt Vorschläge für den Umbau des Fahrzeugs.

Wir ziehen die Angehörigen in den Prozess mit ein.

Die Ergotherapie unterstützt die Patientinnen und Patienten dabei, ihre Fähigkeiten wiederzuerlangen. Zuerst steht der Transfer ins Auto im Fokus, hier beginnen wir stets auf der Beifahrerseite – auch mit der Idee, dass Patienten am Wochenende mit der Familie unterwegs sein können. Dann beziehen wir auch die Angehörigen in den Prozess mit ein. Wir lassen sie dann mit ihrem Auto zu uns in die Klinik kommen und instruieren sie entsprechend, wie man einen Rollstuhl zusammenklappt und verlädt. Abhängig davon, ob die betroffene Person wieder Autofahren möchte, ist es unabdingbar, selbständig auf die Fahrerseite zu kommen sowie den Rollstuhl ins Auto zu verladen.


Wie bekommt man den Rollstuhl ins Auto?
Das aktuelle Therapiefahrzeug ist ein Renault Clio und seit August 2020 im Einsatz. Es ersetzt den alten 2er-Golf . Das Auto verfügt über eine Verladehilfe und lässt sich auch handgesteuert bedienen. Die Ergotherapeutinnen und -therapeuten können nun 1:1 mit den Patientinnen und Patienten üben und ihnen zeigen, wie alles funktioniert.

Verladehilfe und handgesteuerte Bedienung erleichtern uns Therapeutinnen und Therapeuten den Alltag.

Das Auto hat ausserdem Kunstleder-Sitze, es lässt sich effizient reinigen und desinfizieren. Beim Verladen des Rollstuhls kommt es sehr darauf an, ob der Patient in der Lage ist, etwas zu heben. Die Höhe der Querschnittlähmung sowie das Alter des Patienten sind hier ausschlaggebend. Ebenso, ob die Lähmung komplett oder inkomplett ist. Es gibt verschiedene Verladehilfen wie etwa einen Seilzug im Innenraum, einen Lift in den Kofferraum oder eine Befestigung auf dem Dach. Aber: Alle Varianten lassen nur einen faltbaren Rollstuhl zu. Hingegen kann man beim Verladen per Hand einen Festrahmen-Rollstuhl nehmen. Diese Rollstühle sind stabiler, besser einstellbar und für fitte Paraplegiker die bessere Wahl. Es gilt also immer beide Aspekte zu beachten, die Rollstuhlauswahl sowie die Verladetechnik des Rollstuhls.

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