Daniel Stirnimann

Autor

Daniel Stirnimann ist klinischer Psychologe und Psychotherapeut. Seine Ausbildung absolvierte er an der Universität Zürich und Pantéon Sorbonne in Paris. Er ist seit 27 Jahren an der Universitätsklinik Balgrist tätig und leitet die psychologische Beratung.

Zurück zur Übersicht

Im letzten Blogbeitrag haben wir darüber berichtet, wie wir uns am Zentrum für Paraplegie dafür einsetzen, dass querschnittgelähmte Menschen möglichst bald wieder in die Arbeitswelt integriert werden.

Nun gehen wir detaillierter auf die entscheidenden Faktoren einer erfolgreichen Wiedereingliederung ein.

«Ich kann das nicht» aus dem Kopf bringen

Das Berufsfindungsteam begegnet vielen Patienten, welche sich die Rückkehr ins Berufsleben zunächst nicht zutrauen – weil sie sich schlicht nicht vorstellen können, wie das gehen soll. Aufgabe ist es dann, den Patienten neue Sichtweisen aufzuzeigen und sie zu motivieren, sich der Herausforderung zu stellen anstatt sie von vornherein zu meiden. In Gesprächen und Übungen versuchen wir die Erfolgszuversichtlichkeit (Hoffnung auf Erfolg) der Betroffenen zu stärken und die Misserfolgsängstlichkeit (Furcht vor Misserfolg) zu mindern.

Bereit, Leistung zu zeigen, wird ein Mensch nur dann sein,

  • wenn eine Aussicht auf Erfolg vorhanden ist, also für diesen Mensch überhaupt eine realistische Möglichkeit besteht, aus eigenen Kräften erfolgreich sein zu können.
  • wenn der Mensch Anerkennung für seine Leistung erwarten kann, aber auch weiss, dass er schon während seiner Bemühungen positiv begleitet wird durch faire Kritik und Ermutigung, Zuversicht, Wertschätzung oder Lob.
  • wenn der Mensch spürt, dass es durch seine Leistungen zunehmend Selbstvertrauen gewinnt und sein Selbstwertgefühl stärkt, sodass er sich gerne weiteren Herausforderungen stellt.

Diese Grundbedingungen erscheinen zunächst simpel, doch sie herbeizuführen sowie dauerhaft aufrechtzuerhalten, ist nicht leicht. Sie erfordern ein hohes Engagement aller Beteiligten, vorab des Menschen mit einer Behinderung.

In meiner Arbeit begegne ich immer wieder Arbeitgebern, die sich darum bemühen, Lösungen zu finden. Dies wiederum regt die Leistungsbereitschaft der Querschnittgelähmten an und wirkt sich letztlich positiv auf die Leistungsfähigkeit aus. Es ist schön zu sehen, dass sich hierzulande viele Arbeitgeber ihrer wichtigen Funktion bewusst sind.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Die Wände neu gestrichen, Regale umplatziert und auch mein Lieblingstisch musste weichen;...

zum Artikel

Wenn querschnittgelähmte Menschen das erste Mal auf dem Lokomat, dem Bewegungsroboter für...

zum Artikel

Vor ein paar Wochen haben wir Therapeutinnen und Pflegefachfrauen mit neun...

zum Artikel